Warum Mehrweg der richtige Weg ist: 5 Initiativen, die bereits einen Schritt in die richtige Richtung gehen

Plastic Planet

Plastikinseln, Mikroplastik in Tieren, in Lebensmitteln – Plastik ist schon lange überall. Im Vergleich dazu hat das Thema erst seit kurzem die nötige mediale Aufmerksamkeit erlangt. Zum Glück entwicklen nun immer mehr Menschen ein Bewusstsein für die negativen Auswirkungen von Plastik auf die Natur. Auf Konsument*innenseite steigt die Nachfrage nach umweltschonenderen Lösungen. Unternehmen sind zunehmend gefordert, auf nachhaltigere Produkte und Verpackungen umzusteigen z.B. Mehrweg.

Erst vor kurzem geht die Rede der Klimaaktivistin Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel in Kattowitz viral. Die mutigen Worte der jungen Schwedin begeistern viele und sind zur Zeit in aller Munde. Sie ist allerdings nicht die erste, die versucht, auf die missliche Lage unseres Planeten aufmerksam zu machen. Hoffentlich geraten ihre Worte nicht so schnell in Vergessenheit wie die so vieler andere Aktivist*innen.   

Klimaaktivistin Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel in Kattowitz

Aktuelle Maßnahmen: Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein?

Eine neue EU-Richtlinie sieht ab 2021 ein Verbot bzw. eine Reduktion von Einwegplastik vor. Umweltschutzorganisationen wie GLOBAL 2000 und Greenpeace freuen sich über den Fortschritt, sehen aber dennoch Schwachstellen in der Richtlinie. So meint Lisa Kernegger, Ökologin von GLOBAL 2000:

„Enttäuschend ist allerdings, dass die Mitgliedstaaten den Verbrauch von „To-Go“- Plastikverpackungen und -bechern für den einmaligen Gebrauch lediglich „erheblich reduzieren“ müssen und keine verbindlichen Reduktionsziele festgelegt wurden. “ 

Quelle

Politische Regulation ist gut und wichtig, allerdings sind Unternehmen gefragt auch von sich aus zu handeln und auf ressorcenschonendere Alternativen umzusteigen, um so der Umweltverschmutzung entgegenwirken zu können. 

Die Herstellung und der Vertrieb von Plastikartikeln ist mit einem enormen CO2-Ausstoß verbunden, der noch verschärft wird, wenn Produkte als Einwegartikel konzipiert werden und nach einmaliger Verwendung auf dem Mistplatz landen. Ähnlich verhält es sich mit Aludosen, wo in der Herstellung unter hohem Energieverbrauch zusätzlich extrem giftige Abfallstoffe produziert werden. 

Mit 89% liegt die Glas-Recyclingquote in Österreich über dem EU-Schnitt. Mehrwegsysteme sind derzeit ökologisch die beste Lösung. Um Einwegprodukte langfristig zu reduzieren und Ressourcen zu schonen, braucht es ein klares Commitment von allen Seiten.

5 Initiativen, die jetzt schon auf Mehrweg setzen

1. Mehrwegnetze für Obst- und Gemüse & Mehrwegboxen für Käse und Wurst

Als Alternative zu Kunststoff-Knotenbeuteln bieten SPAR und REWE seit kurzem Mehrwegsackerl für Obst und Gemüse an, welche bei wiederholter Verwendung deutlich ressourcenschonender und umweltfreundlicher sind. Außerdem testet SPAR derzeit Mehrwegboxen für Käse und Wurst in drei steirischen Filialen, um Verpackungsmaterial zu reduzieren.  


2. Recycling- & Mehrwegsysteme für Getränkeflaschen

Vöslauer verkauft seit 2018 eine zu 100% aus recycelten Flaschen bestehende PET-Flasche und hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 alle PET-Flaschen zu 100% aus recycelten Flaschen herzustellen. Das Unternehmen hat auch eine Pfandflasche mit Zweiwegsystem und Mehrwegglasflaschen im Sortiment, betont aber den Vorteil von PET-Flaschen durch einen niedrigeren CO2-Ausstoß wegen des geringen Eigengewichts.


3. Mehrwegsystem für Kaffeebecher

Das Unternehmen CUP SOLUTIONS startet Mitte Jänner 2019 gemeinsam mit der Stadt Wien das Pilotprojekt myCoffeeCup. Durch das erste Mehrweg-System für Kaffeebecher in Wien, welches im 1. Bezirk starten soll, werden bereits bis zu 1 Mio. Einwegbecher gespart. Wenn das Projekt auf die gesamte Stadt ausgeweitet wird, könnten jährlich sogar ca. 84 Mio. Einweg-Kaffeebecher in ganz Wien eingespart werden.


4. Abfüllstation für Reinigungsmittel

DM Drogeriemarkt testet zur Zeit in 12 Filialen in ganz Österreich Abfüllstationen für Bio-Waschmittel und Bio-Geschirrspülmittel. Die Spül- & Waschmittel basieren auf reiner Pflanzenkraft  und sind zu 100% biologisch abbaubar. Pro Nachfüllung können dabei bis zu 60% Plastikmüll gespart werden.


5. Sammelsystem für wiederverwendbare Kleinwaren

Die Initiative Re-Use sammelt seit April 2014 kleine Waren wie Elektrogeräte, Geschirr und Hausrat, Sportgeräte, Spielzeug und Textilien, die anschließend sortiert und in Re-Use Shops wieder verkauft werden. Ausgabe- und Rücknahmestellen gibt es derzeit in Graz, Oberösterreich, Burgenland und in Vicenzia (Italien).

Fazit: Es braucht Mut zur Veränderung 

Einige Unternehmen gehen bereits einen Schritt in die richtige Richtung und sehen die Notwendigkeit einer Umstellung auf ressourcenschonendere Lösungen. 

Einwegprodukte sind sehr bequem und stark in den Alltag vieler Menschen integriert. Viele Konsument*innen werden vermutlich vorerst aus Bequemlichkeit auf Mehrweg verzichten. Wenn das Angebot aber vorhanden ist, wird es langsam aber sicher auch Standard werden.

Es liegt also an Unternehmen Mut zu zeigen uns sich um bessere Lösungen zu bemühen. Das braucht Geduld und kann auch zu Beginn mit Mehrkosten verbunden sein. Längerfristig gesehen wird sich der Einsatz von ressourcenschonenderen Produkten und Verpackungen aber bezahlt machen.