Leichte Sprache: Ein kleiner Schritt zur Selbstbestimmung

Kompliziertes Bürokraten-Gefasel und mühsamer Juristenjargon sind für alle Menschen eine Hürde im Alltag. Doch schwere Sprache grenzt manche an der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe besonders aus: Menschen mit Lernschwierigkeiten.

›Leichte Sprache‹ ist barrierefrei

›Leichte Sprache‹ ist eine Möglichkeit für Barrierefreiheit in schriftlicher und mündlicher Kommunikation. Sie stellt ein Regelwerk zur Verfügung, das von Menschen mit Lernschwierigkeiten für uns alle erarbeitet wurde. Ihre Umsetzung ist in der UN-Behindertenrechtskonvention (UN BRK) festgeschrieben.

Die Notwendigkeit von ›Leichter Sprache‹ ist kein Randphänomen, sondern ein Bedürfnis in der Mitte der Gesellschaft: Menschen mit Lernschwierigkeiten, Migrant*innen, Menschen mit Hörbeeinträchtigungen, ältere Menschen oder funktionale Analphabeten – letzteres betrifft knapp 1 Millionen Österreicher*innen (PIAAC Studie 2013).

›Leichte Sprache‹ ist Würde

Leichte Sprache ist Empowerment, weil sie Selbstbestimmung gewährt. Selbstbestimmung bringt Lebensqualität. ›Leichte Sprache‹ ist damit Schlüssel zur Unabhängigkeit, gesellschaftlicher und politischer Teilhabe, Selbstbestimmung und Selbstvertretung. 

Damit ist ›Leichte Sprache‹ der Grundpfeiler für eine funktionierende Demokratie, die eine Teilhabe aller Menschen an allen Bereichen des Lebens gewähren sollte. Das bedeutet barrierefreie Informationen und Zugang zu Politik, Recht, Bildung, Gesundheit und Kommunikationssysteme (Medien, Social Media, etc.). 

Eine Demonstration am Potsdamer Platz. Viele Menschen mit Fahnen und Schildern. Vorne im Bild eine Frau im und zwei Männer im Rollstuhl. Die Frau hat in ihren Händen ein Schild: "Teilhabe statt Ausgrenzung".
© Jörg Farys – Gesellschaftsbilder.de|Demonstration #nichtmeingesetz Berlin 2016

DOS AND DON’TS ›Leichte Sprache‹

Nur das Wesentliche ist relevant, die Essenz des Textes. 

DOS

  • kurze, gebräuchliche Wörter 
  • längere Wörter mit Bindestrich trennen 
  • kurze Sätze
  • Satzstruktur: Subjekt – Prädikat – Objekt
  • Zahlen immer als Ziffern 
  • Übersichtlichkeit (inklusive Bilder)

DON’TS

  • Fach/Fremdwörter (oder diese erklären)
  • Sonderzeichen wie § oder & (oder diese erklären)
  • Metaphern/Ironie
  • Passivkonstruktionen
  • Verneinungen
  • Konjunktive

›Leichte Sprache‹ betrifft nicht nur die schriftliche und mündliche Kommunikation, sondern auch die visuelle Kommunikation: Die Darstellungen von Grafiken und Bildern.

Icon: Mensch beim Lesen eines Buches, am Buchcover ein Daumen nach Oben. Blauer Hintergrund
© Inclusion Europe | Zertifikat für Texte in ›Leichter Sprache‹

Für mehr Guidelines:
Das Handbuch von Inclusion Europe
Beispiele in ›Leichter Sprache‹
Dokument – Corona Informationen in ›Leichter Sprache‹ 1
Website – Corona Informationen in ›Leichter Sprache‹ 2

›Leichte Sprache‹ ist Empowerment

›Leichte Sprache‹ wurde aus Eigeninitiative von Menschen mit Lernschwierigkeiten eingefordert. Die „People First“-Bewegung (Mensch Zuerst-Bewegung) ist eine weltweite, transnationale Bewegung von und für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie fordern und leisten selbst Beiträge zur Selbstbestimmung durch Broschüren, Unterstützungs-Netzwerke und Selbstvertretungen.

Das Bild zeigt eine Gruppe von Menschen. Sie tragen alle rote T-Shirts und Schilder. In der Mitte ein Mann im Rollstuhl. Fast alle Schilder sind unlesbar. Die Gruppe demonstriert für eine Gesundheits-System für alle.
© Parallels in Time | People First Movement USA 1970s

Seit 1998 gibt es die europäischen Richtlinien für leichte Lesbarkeit und seit 2000 die österreichische Bewegung „Vienna People First“ als ein Mitglied im „Netzwerk Selbstvertretung Österreich“

Vienna People First betonen, dass ›Leichte Sprache‹ für uns alle sei. Denn wir alle haben ein Bedürfnis nach einfachen, prägnanten, kurzen Informationen in Zeiten von Informations- und Reizüberflutung.   

„Nichts über uns – ohne uns.“

Vienna People First



Literatur
Abend, S. (2018). Leichte Sprache in Behörden.
Dönges,C./Hilpert, W./Zurstrassen, B. (2015): Didaktik der inklusiven politischen Bildung.
Friesenbichler B./Hackl W. (2014) PIAAC-Studie: neue Auswertungen und Analysen.